Arnstadt: Wenn es um die Wurst geht

Ob er ein besonderes Verhältnis zur Bratwurst habe? „Eigentlich nicht“, sagt Rudi Butkus. Der Thüringer Bratwurstkönig kommt gerade aus der Küche, er hilft seiner Familie in der Gaststätte „Naturheilgarten“ in Suhl. Er wischt sich die Finger an der Kochhose ab und ergänzt: „Ich esse sie natürlich schon gerne“ – aber zum Bratwurstkönig wurde er eher zufällig.

Feierlich reitet Bratwurstkönig Rudi I. beim jährlichen Angrillen auf dem Erfurter Domplatz ein. Foto: privat

Feierlich reitet Bratwurstkönig Rudi I. beim jährlichen Angrillen auf dem Erfurter Domplatz ein. Foto: privat


„Eine Stammtischidee“
2006 sammelten Suhler Karnevalisten mit dem städtischen Kulturdezernenten Ideen, wie die Stadt weiter bekannt gemacht werden könnte. Schließlich lobte man einen Wettbewerb aus.
In diesem treten Teams gegeneinander an, die mit originellen Grills, Kostümen und „Klamauk“ eine achtköpfige Jury anderer deutscher Hoheiten, von der Weinkönigin bis zum Erntekönig, überzeugen müssen. Rudi Butkus und seine „Suhler Grillzwerge“ waren bei der Premiere 2006 nur Zuschauer. Der Bratwurstkönig ist selbst ein „Jeck“ und seit 2004 Präsident des „Suhler Carnevalsverein Ikalla“. „Es sollte nicht so aussehen, als wollten wir den Titel unbedingt in Suhl behalten“, beschreibt er die Situation. Aus demselben Grund strengten sich die Grillzwerge auch bei der zweiten Auflage „kaum an“, als man das Feld mit Suhler Teams auffüllen musste. Erst 2010 packte die „dufte Truppe“, so Butkus, der Ehrgeiz. Mit einer umgebauten Grubenlore als Grill, Zipfelmützen und einem Showtanz „im Stile der Musketiere“ mit gekreuzten Grillzangen blieb der Titel in der Stadt der Waffenkunst.
Die Mannschaften müssen selbstverständlich auch fachliche Kompetenz beweisen. Davon hat Rudi Butkus nach mehr als zwei Jahren eine Menge. „Erstens wird die Wurst gebraten“, erklärt er, „nicht gegrillt“. In Suhl brutzeln alle Teilnehmer identische Wettbewerbswürste: „eigentlich“ nur mit Holzspänen und ohne Brandbeschleuniger“, betont seine Majestät. Platzen dürften die Würste auch nicht. „Aber das liegt fast ausschließlich am Darm“, gerät Butkus ins Fachsimpeln. „Am besten sind Schafsdärme, aber die nimmt kaum mehr ein Metzger.“
Hat er denn selbst ein Lieblingsrezept? Butkus denkt kurz nach. „Das Problem ist, dass die Wurst immer gut finden muss.“ Aber, hinter vorgehaltener Hand, „der Rennsteig ist für mich die Bratwurstgrenze“. Ein bisschen Knoblauch und Zitronenschale mache beispielsweise die Suhler Bratwurst aus. „Nürnberger esse ich auch ab und zu, aber Kartoffelmasse oder Fisch muss nicht unbedingt sein.“

Eine dritte Amtszeit?
Ein wenig ärgert es den Suhler, dass er kaum finanzielle Unterstützung erhält.Auf 50 bis 60 Veranstaltungen ist er jährlich als Repräsentant unterwegs, hinzukommt sein Beruf als Bauchredner. „Am Wochenende bin ich fast immer unterwegs.“ Nur das Bratwurstmuseum in Holzhausen sorgt für die Öffentlichkeitsarbeit und hat Visitenkarten bezahlt. Mancher private Auftraggeber zahle auch ab und an kleinere Summen, „das geht dann in die Fahrtgeldkasse“. Auf einem Großteil der Kosten aber bleiben er und die Grillzwerge sitzen. „Eigentlich müsste die Stadt Suhl mir als Botschafter zumindest bei Fahrtkosten unter die Arme greifen“, findet er. Immerhin führt ihn der Job auch schon mal bis nach Hamburg.
Ein bisschen Prunk bringt das Amt auch mit sich: Beim Erfurter Fest „Rostkultur“, wo jedes Jahr rund 20 000 Menschen auf dem Domplatz offiziell die Saison eröffnen, sollte er feierlich einreiten. Dabei ist er kein besonderer Pferdefreund, erzählt seine Eminenz, „und das war ein Riesengaul“. Beim Aufsteigen merkte Butkus dann schmerzhaft, dass der Sattel nicht richtig befestigt war – und stürzte auf das Erfurter Pflaster. Aber als König gab es keine Wahl: „Weitermachen“, hieß es.
Insgesamt, sagt er trotz des guten Zusammenhalts der Grillzwerge, „ist das Amt wahnsinnig stressig“. An den 20 „halben Würsten“, die er bei großen Veranstaltungen essen müsse, liegt das aber nicht. Auch wenn er nach der Grillsaison zumindest „ein paar Wochen“ keine Bratwurst mehr sehen kann. Wenn seine Freunde ihn dann auffordern, für sie zu braten? „Dann mache ich das eben doch wieder.“ Den Bratwurstkönig, so scheint es, hat er dann doch ein wenig im Blut.