Interview: Zentren der Kommunikation, der Kultur und Bildung

Gespannt sein darf man auf die Ergebnisse der Sanierung des Bad Liebensteiner Schlosses Altenstein, das auch zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gehört. Foto: Tommes-Wiki via Wikimedia Commons

Gespannt sein darf man auf die Ergebnisse der Sanierung des Bad Liebensteiner Schlosses Altenstein, das auch zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gehört. Foto: Tommes-Wiki via Wikimedia Commons


Gartenkönig-Kurier: Die „Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten“ verwaltet über 30 Bau- und Kulturdenkmäler in Thüringen. Welche Aufgaben übernehmen Sie dabei konkret?

Prof. Dr. Helmut-Eberhard Paulus: Die Stiftung ist eine öffentliche Einrichtung, speziell zur Bewahrung, Erschließung, und Vermittlung des kulturellen Erbes, das in einem europäischen Spannungsfeld der höfischen Kultur steht. Als Schatz des Landes verstanden, prägt es die Geschichte Thüringens geradezu symbolhaft. Im Vordergrund steht die bauliche und restauratorische Betreuung der Schlösser, Burgen und Gärten, die Organisation und Regelung einer nachhaltigen, möglichst kulturell orientierten Nutzung sowie die Erschließung für kulturelle Ereignisse und einen sanften Tourismus.

Gibt es Objekte, die Ihnen persönlich aus kunsthistorischer Sicht besonders am Herzen liegen?

Eine herausragende Bedeutung hat definitiv das Angebot „Schatzkammer Thüringen“, dessen Schlösser und Gärten auch auf nationaler und europäischer Ebene mit anderen bedeutenden Residenzen konkurrieren. Dazu gehören beispielsweise die Dornburger Schlösser, das Rudolstädter Schloss Heidecksburg oder Schloss Friedenstein in Gotha. Aber auch kleinere Residenzen können mit Besonderheiten brillieren, wie das Renaissanceschloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, das frühklassizistische Sommerpalais in Greiz und das Musterbeispiel eines adeligen Barockschlosses in Erfurt-Molsdorf.

Thüringen war über Jahrhunderte ein zentraler Kulturraum des Deutschen Reiches, die Henneberger Grafschaft Teile der heutigen Länder Bayern und Hessen. Gibt es heute noch Kontinuitäten oder Kooperationen, um diese überregionalen Zusammenhänge wieder sichtbar zu machen?

Der Kunsthistoriker Prof. Helmut Eberhard Paulus leitet die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die auch das ehemalige Kloster Veßra verwaltet. Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten/Lulita Schwenk

Der Kunsthistoriker Prof. Helmut Eberhard Paulus leitet die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die auch das ehemalige Kloster Veßra verwaltet. Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten/Lulita Schwenk


Thüringen verkörpert heute wie kein anderes Bundesland die Vielfalt des einstigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Ablesbar ist das unter anderem an dem guten Dutzend Residenzen der einstigen zwar kleinen, aber kulturell hochentwickelten fürstlichen Territorien. Nach der Wiedervereinigung konnten die traditionellen Bezüge zu den Nachbarländern wieder aufgenommen und intensiviert werden. Die Zusammenarbeit in Initiativen wie Transromanika, Lutherweg, Burgenstraße Thüringen und Mitteldeutsche Barockmusik sind nur ein Beispiel.

Die Stiftung hat in jüngster Vergangenheit erhebliche finanzielle Mittel in das Kloster Veßra investiert. Wie sehen die künftigen Planungen aus?

Kloster Veßra gehört in der Tat zu unseren besser versorgten Anlagen. Die Sanierung der Kirchenruine in den 1990er Jahren und die angemessene kontinuierliche museale Nutzung haben dazu wesentlich beigetragen. Einen Schwerpunkt in letzter Zeit bildet die Verbesserung der Freianlagen. So sollen bis Ende 2013 die Landmaschinenexponate in der landwirtschaftlichen Bautengruppe untergebracht und Projekträume für Pädagogik und Versorgung geschaffen werden. Mittel- bis langfristig ist außerdem beabsichtigt, einen Bereich des alten Refektoriums (der Speisesaal des ehemaligen Kloster, Anm. d.Red.) in die Präsentation der Klosteranlage mit einzubeziehen.

Standorte von Burgen und Schlössern waren früher auch Zentren des Handels und der Verwaltung und Kommunikation. Wie versuchen Sie, diesen Charakter wieder verstärkt aufleben zu lassen?

Als Verwaltungssitz sind die meisten unserer Burgen und Schlösser heute nicht mehr geeignet, ganz einfach, weil die technischen und organisatorischen Ansprüche dort nicht mehr zu befriedigen wären. Bleibt die Bedeutung der Burgen und Schlösser als historische Stätten, als Zentren der Kommunikation, der Kultur und Bildung und des gesellschaftlichen Lebens. Hier gilt es, das rechte Maß der Nutzung, angepasst an die individuelle Situation der Schlösser und Burgen zu finden. Nicht alles ist möglich und eine Adaption birgt immer die Gefahr, dass die eigentliche Attraktion der Schlösser und Burgen dabei drauf gehen könnte. Andererseits ist auch vieles möglich, wie die attraktiven Museen und Kultureinrichtungen, vor allem aber auch die Veranstaltungen beweisen, darunter die Dornburger Schlössernacht, die Thüringer Schlossfestspiele Sondershausen und das Ekhof-Festival auf Schloss Friedenstein in Gotha.