Kloster Veßra: Historische Pflanzkultur im Henneberger Land

Die Geschichte des Bauerngartens reicht in Deutschland bis in die Antike zurück. Im römischen Reich wie in den Gebieten der „barbarischen“ Völker Germaniens wurden Obst, Gemüse und Kräuter angebaut. Das Hennebergische Museum greift diese Tradition gleich zweifach auf und zeigt sowohl einen typischen Garten des 18. und 19. Jahrhunderts, als auch den mit Hilfe von historischen Zeichnungen und Plänen rekonstruierten Klostergarten selbst. Dieser war für die Gemeinschaft der Mönche lebensnotwendig: Versorgte er einerseits den Konvent mit Vitaminen und anderen Nährstoffen, war er bei Krankheiten und Verletzungen unverzichtbar: Das klösterliche Spital produzierte hier beispielsweise mit Heilkräutern die Grundstoffe für Arzneien.

Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra lässt sich die Garten- und Pflanzkultur zurückliegender Jahrhunderte bestaunen. Foto: Frank Melech / melech.de

Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra lässt sich die Garten- und Pflanzkultur zurückliegender Jahrhunderte bestaunen. Foto: Frank Melech / melech.de

Rekonstruiertes Original
Auch das Kloster Veßra, belegen Urkunden und bildliche wie schriftliche Quellen des Mittelalters, verfügte über einen solchen Garten. Zusätzlich zu diesen Belegen wurden zwei Brunnen im Ostteil des Geländes ausgegraben – sehr wahrscheinlich lag bereits der historische Garten dort, wo Besucher heute die Rekonstruktion finden. Die 16 Kastenbeete orientieren sich in ihrer Bepflanzung an geschichtlichen Vorbildern: Die repräsentative Auswahl beginnt mit schon im neunten Jahrhundert verwendeten Pflanzen und schlägt mit der an die Mauer gesetzten Blumenbank den Bogen zum späten Mittelalter, als Nutz- mit Ziergärten verbunden wurden. Die wichtigste Gruppe stellen jedoch die Gewürz- und Heilkräuter dar, die zum Teil jedoch eher religiös-kultischen Zwecken dienten und keine beweisbare medizinische Wirkung besitzen. So wurden beispielsweise Rosen und Lilien zu fest im Christentum verankerten Gewächsen.

Historisches Milieu
Wahrscheinlich auch aus dem Vorbild der Klostergärten entwickelte sich der typische bäuerliche Garten, den das Museum Kloster Veßra als Teil der Ausstellung zeigt. Sie soll die Lebens- und Arbeitswelt der Landbevölkerung nachstellen – entsprechend der Entstehungszeit des umgesetzten Fachwerkhauses aus Witzelroda orientiert sich der Bauerngarten deshalb in Gestaltung und Pflanzenauswahl am späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Damit ergänzt er die historische Milieugestaltung des Wohnhauses, als kombinierter Nutz- und Ziergarten vereint er eine zentrale Rose mit Kräutern und weiteren Blumen, umrahmt von Beerenhecken. Ein Teil der Nutzpflanzen ist heute in den Gärten nur noch sehr selten oder gar nicht mehr zu finden und daher besonders interessant. Zu ihnen gehören auch solche, die aus dem Bestand der Klostergärten kamen, wie etwa Liebstöckel, Thymian, Eberraute oder Wermut.